Seniorenskitourenwoche Pontresina

vom 1. – 6 März 2026

Bergführer: Hanspeter Brehm & Thomas Bossert

Teilnehmende: Urs Abt, Beat Bossert, Katharina Eppenberger, Ruedi Hintermann, Beat Huber, Romy Erb Knobel, Röbi Knobel, Heiner Lindenmann, Rolf Merz, Rolf Schlegel, Roli Sommerhalder, Heinz Wiederkehr

Gäste: Andreas Furrer, Reinhard Keusch, Willy Keusch, Peter Tschannen

Sonntag, 1. März, Motta Bianca, 2560m
Sechs Autofahrer starteten mit ihren Mitfahrern Richtung Engadin. Zufällig trafen sich drei Gruppen bereits in der Raststätte Heidiland und konnten sich schon ein erstes Mal begrüssen. Pünktlich um 12 Uhr trafen alle im Berninahaus ein, wo wir gemeinsam etwas zu Mittag assen.

Bereits um halb zwei ging es dann los auf die erste Skitour. Bei der letzten Kehre vor dem Berninapass parkierten wir, montierten Felle und Skischuhe und begannen um 2 Uhr mit dem Aufstieg. Der Himmel war bedeckt, ab und zu drückte die Sonne etwas durch. Die Sicht war entsprechend recht diffus.

Nach etwa 1 Stunde erreichten wir den Motta Bianca. Bevor wir wieder runterfuhren, unterrichtete uns Thom über die Lawinensituation. Er und Hanspeter gruben einen Schneeblock frei. Es war schon eindrücklich, wie der Klotz nach ein paar wenigen Schlägen aus dem Handgelenk abrutsche. Gerade oberhalb des Bodens war eine Schicht, in der der Schnee zu grossen Schneekristallen umgeformt wurde, die nicht aneinanderhaften. Dadurch kann die obere Schicht bei Belastung abgleiten. Dies wird die ganze Woche ein Problem sein. Unsere Bergführer mussten dementsprechend sichere Tourenziele auswählen und die Routen sehr vorsichtig planen.

Nach der Information fuhren wir mit den Skis zum Parkplatz zurück und mit den Autos zum Berninahaus, wo wir alles Gepäck ausluden (zumindest dasjenige, das mitgekommen ist) und bezogen die Zimmer. Um 18 Uhr trafen wir uns zum Apéro und genossen anschliessend ein feines Nachtessen.

Montag, 2. März, Piz Arpiglia, 2765m
Beim Aufwachen war der Himmel bedeckt und Schneefall setzte ein. Trotzdem genossen wir das herrliche Frühstücksbuffet.

Um 8:30 Uhr fuhren wir mit den Autos Richtung Zuoz. Dort parkierten wir und marschierten um 10:15 Uhr los. Jedenfalls fast alle. Ein Chauffeur kam mit Turnschuhen, aber ohne Skischuhe. Thom und der Skischuhlose fuhren nach Zuoz, mieteten ein Paar und folgten der ersten Gruppe. Da sie direkt über eine Waldschneise hochstiegen und nicht über die Waldstrasse wie die erste Gruppe, kamen alle nach ca. 1h wieder zusammen.

Bei wechselhaftem Wetter, meist bedeckt und zeitweise mit Schneefall, dazwischen mal etwas Sonne, stiegen wir zuerst über lockeren Wald und dann über einen runden Grat hoch.

Die Gruppe Hanspeter rastete nach einer „Schlüsselstelle“ und nahm dann die restlichen 100 Höhenmeter zum Gipfel in Angriff. Der Gipfel war im Nebel, es gab also keine Aussicht. Da es auf dem Gipfel nicht besonders gemütlich war, fuhren wir bald wieder runter. Zu Beginn was die Sicht sehr diffus, besserte sich dann aber zusehends.

Die Gruppe Thom stieg bis unter die „Schlüsselstelle“ hoch und entschied sich dann, nach einer Rast, zur Umkehr. Etwas weiter unten inszenierten sie ein Lawinenunglück, mit mehreren verschütteten Personen, dargestellt durch vergrabene Rucksäcke mit LSV.

Die Gruppe Hanspeter wurde völlig überrascht und musste diese Lawinensituation meistern, also mit Alarmieren, Suchen, Sondieren und Ausgraben. Anschliessend wurden das Vorgehen und die Erfahrungen unter lehrreichen Inputs von Thom ausgetauscht. Vielen von uns wurden Wissens- und Übungsdefizite bewusst und wir wurden sensibilisiert über eigene Schwächen und wie wir in der zu Beginn auftretenden Chaosphase reagieren.

Nach der Übung fuhren wir weiter ab durch den lockeren Wald und dann über eine herrliche Buckelpiste bis zu den Autos. Vor der Rückkehr löschten wir den Durst im Restaurant sur en. Eine Autofahrgemeinschaft machte noch einen Ausflug nach Guarda, so dass am Abend das Gepäck nun komplett vorhanden war.

Zurück im Berninahaus konnten wir uns erholen und erfrischen, bevor wir beim Apéro auf Rolis Geburtstag anstiessen. Mit einem feinen Nachtessen beendeten wir den Tag.

Dienstag, 3. März, Piz Alv, 2975m
Bei diesem morgendlichen Aufwachen war der Himmel strahlend blau und die ersten Gipfel im Sonnenlicht. Über Nacht hatte es etwas 15cm geschneit, der Tag startete also verheissungsvoll.

Um genügend Zeit zu haben, frühstückten wir etwas früher. Die Gruppe Thom startete um 8:15 Uhr, die Gruppe Hanspeter um 8:30 Uhr. Beide Gruppen hatten wiederum das gleiche Ziel, den Piz Alv.

Wir marschierten direkt vom Berninahaus los. Die Route führte zuerst rund 4km ins Val dal Fain, sanft ansteigend und zu Beginn im Schatten des Piz Alv. Dann ging es in der Sonne weiter mit einem weiten Bogen steiler ansteigend gegen die Lejs dal Piz Alv. Von dort dann ein Stück eben zum steileren Gipfelhang des Piz Alv, in dem Thom komfortable Wendeplätze grub. Die erste Gruppe erreichte den Gipfel nach ca. 4¼h und wurde mit einer grossartigen Aussicht auf Cambrena, Palü, Bella Vista, Piz Bernina, Piz Morteratsch belohnt. Gemütlich konnten wir die Mittagspause an der Sonne geniessen.

Kurz bevor die Gruppe Thom sich zum Abfahren bereit machte, erreichte die Gruppe Hanspeter den Gipfel. Nach gegenseitigen Gratulationen stellten wir uns zu einem gemeinsamen Gipfelfoto auf, das von zwei jungen deutschen Tourengängerinnen geschossen wurde. Die beiden schlossen sich dann mit Erlaubnis von Thom der ersten Gruppe für die Abfahrt an.

Die Abfahrt im 15cm Neuschnee war ein Traum. Die Abfahrt war mal flacher, mal steiler bis kurz nach den Seen, wo Thom eine Route wählte mit fantastischen, jungfräulichen Hängen. Dann folgten wir dem Val dal Fain wieder zurück entlang der Aufstiegsspur mit gelegentlichem Stockeinsatz und Hochsteigen in kurzen Gegenanstiegen oder in flachen Partien.

Zurück im Berninahaus genoss die Gruppe Thom ein wohlverdientes Bier auf der Sonnenterrasse. Die Gruppe Hanspeter folgte der gleichen Route und genoss den Pulverschnee in den Hängen. Sie kamen gerade beim Sonnenuntergang beim Berninahaus an und löschten den Durst in der Wärme des Restaurants.

Nach kurzer Erholung und Erfrischung trafen wir uns wiederum zum Apéro und anschliessendem genussvollen Nachtessen.

Mittwoch, 4. März, Gämsfreiheit, 3186m
Als der Wecker klingelte, hatten wir wiederum herrliches Wetter. Nach dem herzhaften Frühstück bestiegen 15 Teilnehmer, mit montiertem Gstältli, und 14 Rücksäcken die Bahn und fuhren eine Station weiter zur Diavolezza Talstation. Dort bestiegen sie die Gondel und warteten auf die Abfahrt um 8:40 Uhr. Thom und Hanspeter, die etwas früher mit dem Auto fuhren und die Billette organisierten, schafften es, den fehlenden Rucksack zu holen und zusammen mit dem Rucksacklosen die Gondel zu erwischen. So erreichten wir also vollzählig und komplett ausgerüstet ohne Zeitverlust die Diavolezza Bergstation.

Von der Diavolezza ging es im Schatten steil und kalt rund 300 Höhenmeter runter auf den Gletscher. Die Abfahrt war ruppig und anstrengend. Auf dem Gletscher angekommen hiess es Felle montieren und in 4 Seilschaften anseilen. Schnell ging es los am gestreckten Seil über den Gletscher Richtung Ausläufer der Fortezza. Am Fuss des Ausläufers seilten wir uns los, tranken kurz etwas und schon nahmen wir in 2 Gruppen den Aufstieg in Angriff. Es war ein alpiner Aufstieg über ansteigende Bänder und durch ein verstecktes Tal auf den Grat beim Punkt 3121. Das letzte Stück zum Grat war recht steil. Thom präparierte hervorragend die Spitzkehren, so dass alle bequem die Kehren schafften.

Dann traversierten wir unter den Felsen durch und erklommen den Schlussaufschwung auf unser Ziel, die Gämsfreiheit, Punkt 3186. Den Namen kennen nur Einheimische, er ist in den Landeskarten nicht vermerkt.

Auf dem Gipfel war es angenehm warm mit einem unglaublichen, imposanten Ausblick auf Cambrena, Palü, Bella Vista, Bernina und Morteratsch. Noch näher und zentraler kann man diese stolzen Gipfel nicht bewundern.

Um 14:15 Uhr waren Hunger und Durst gestillt, Felle abgezogen, Bindungen und Schuhe umgestellt, Helm aufgesetzt und alle bereit für die Abfahrt nach Morteratsch.

Kurz nach dem Gipfel genossen wir ein paar tolle Hänge mit Pulverschnee, die nur wenig verfahren waren. Dann traversierten wir nach rechts (abweichend von der Normalroute wegen der Lawinengefahr) und die nächsten Hänge folgten, bis wir wieder auf dem Gletscher Vadret Pers ankamen. Weiter ging’s den Gletscher runter, zuerst flach, dann etwas steiler bis auf den Morteratsch Gletscher. Wir fuhren teilweise durch zerklüfteten Gletscher bis zu einem Gletschertor (eigentlich Tunnel, oder Bogen), eine eindrückliche Formation, die wohl bald geschmolzen sein wird. Nach dessen Besichtigung und fotografischer Aufzeichnung fuhren wir Tal auswärts bis zur Bahnstation Morteratsch. Mit Bahn ging es dann zurück nach Bernina Suot, wo wir den Durst auf der Sonnenterrasse löschten, gesponsert vom Unglücklichen, der ohne Rucksack loswollte.

Anschliessend konnten wir uns erholen und frisch machen, bevor wir uns wie gewohnt zum Apéro trafen und wiederum ein hervorragendes Nachtessen genossen.

Donnerstag, 5. März, Corn Chamuotsch, 3016m
Wiederum wachten wir bei schönstem Wetter auf. Wir frühstückten etwas früher als gewohnt, so dass wir gemäss Plan bereits um 7 Uhr mit den Autos abfahren konnten. Theoretisch zumindest, praktisch wollte ein Auto partout nicht starten. Dank Coaching durch unseren Fahrzeugexperten lief es dann nach etwa 10 Minuten doch noch und wir konnten losfahren Richtung Julier bis zum Parkplatz Alp Julier, etwa 1km vor der Julierpasshöhe. Dort parkierten wir die Autos und schnallten die Ski an.

In 2 Gruppen, 5 Minuten zeitlich versetzt, marschierten wir los ins Vallett dal Güglia. Nach ca. 3km bogen wir rechts ab und stiegen hoch zur Fuorcla Chamuotsch. Dort querten wir auf den Südwestgrat und folgten dem noch ein paar Meter bis wir Ski und Rücksäcke deponierten. Weiter ging es zu Fuss über und zwischen Felsen und Schneepartien hoch gegen den Gipfel. Um ganz auf den Gipfel zu kommen mussten wir noch etwas kraxeln. Auf dem Gipfel war es windig und eng, so dass die erste Gruppe nach ein paar Gipfelfotos wieder abstieg und den Gipfel frei machte für die zweite Gruppe.

Beim Skidepot packten wir die Rücksäcke, schnallten die Ski an und fuhren zurück zur Fuorcla Chamuotsch und den ersten Hang runter an ein sonniges Plätzchen bei ein paar Felsen für Mittagspause und Verpflegung.

Da es leicht bedeckt und wegen dem Saharastaub etwas trüb war, stellte sich der erhoffte Sulz auch nach der ausgiebigen Pause nicht ein. So fuhren wir los bei guten, aber nicht top Verhältnissen, zuerst ein paar schöne Hänge hinunter und dann Tal auswärts. Kurz vor dem Talende traversierten wir links raus und erreichten über ein paar tolle Hänge direkt den Parkplatz.

Mit den Autos fuhren wir hinunter zu einem Parkplatz nach der Brücke zwischen Silvaplana und Surlej und löschten den Durst in der Zeltbeiz La Tenda Sur Lej, direkt neben der Loipe. Wegen dem starken Wind war es sehr kalt, so dass die meisten ins Zelt gingen. Nur die Hartgesottenen blieben an der Sonne.

Als alle ausgetrunken und langsam kalt hatten, fuhren wir zurück zum Berninahaus, wo wir uns wiederum kurz erholten und erfrischten und uns dann zum traditionellen Apéro trafen. Beim Apéro durfte ich einen Gutschein für ein Nachtessen als Dank für die Organisation der Tourenwoche entgegennehmen, was mich sehr gefreut hat. Vielen Dank allen noch einmal dafür.

Nach dem wie gewohnt vorzüglichen Nachtessen rechneten wir die gemeinsamen Kosten ab, bevor wir den Abend mit einem Schlummertrunk beendeten.

Freitag, 6. März, Pizzet 2821m
Nach dem Frühstück räumten wir die Zimmer, verluden alles Gepäck in die Autos und fuhren los nach Zuoz. Dort bestiegen wir den Sessellift und liessen uns bequem bis zu Bergstation Muntatsch auf 2449m transportieren. Dort schnallten wie die Felle auf und die Ski an die Füsse und los ging’s über Som Muntatsch in den Talkessel Viroula. Stellenweise mussten wir die Ski tragen wegen aperen Stellen. Dann ging es recht steil hoch zum Sattel Punkt 2822. In dieser Partie war der Schnee recht hart, so dass Thom eine Spur hackte bis zu einer Stelle, wo der Schnee etwas weicher und gut geeignet für die Spitzkehre war.

Der Rücken auf den Pizzet war schneefrei, so dass wir die Ski auf die Rucksäcke schnallten und auf den Gipfel trugen. Auf dem breiten Gipfel genossen wir in der Wärme die Mittagspause. Die Sicht war durch den Saharastaub eingeschränkt und recht trüb.

Die Abfahrt ging Richtung Süden. Über herrliche Hänge mit leichtem Sulz erreichten wir die Bergstation Muntatsch, wo wir der Piste folgten. Sie war hart mit einem feinen Sulz darüber, perfekte Verhältnisse. Kurz vor dem Restaurant bei der Talstation Zuoz Chastlatsch boten ein paar Übermütige noch eine Showeinlage mit Synchronfahren, die gefilmt wurde.

Im Restaurant löschten wir den  Durst und ein paar den Hunger, bevor wir uns voneinander verabschiedeten, zum Parkplatz fuhren und den Heimweg antraten.

Ich möchte den beiden Bergführern für das tolle Tourenprogramm und die umsichtige Führung ganz herzlich danken. Trotz der hohen Lawinengefahr durften wir abwechslungsreiche Touren erleben und uns jederzeit sicher fühlen. Auch vielen Dank den Tourenteilnehmern. Die gegenseitige Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und Kameradschaft liess uns eine unbeschwerte und gemütliche Zeit im Engadin erleben.

Beat Huber

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