Vom 7. April 2026
Tourenleiter: Bruno Knobel
Teilnehmende: 23
Peter Brehm, Beatrice und Jost Bucher, Max Burger, Regula und Marc Gacond, Sibylla Haller, Ingrid und Rolf Hasler, Magda Huber, Esther und Urs Hupfer, Brigitta Inauen, Romy und Robert Knobel, Walter Knobel, Ruth und Markus Rötheli, Bernadette Schenkel, Roland Sommerhalder, René Winkler, Brigitte Zeltner.
Mit den Zügen aus Bern und Olten kommend treffen diverse Teilnehmer am Bahnhof Oensingen auf die weiteren Kameraden. Die leeren Plätze der Autos werden gefüllt, die Autobahn meidend, entlang des frühlingshaften Südfusses des Jura an Höhe gewinnend, erreichen wir Balm. In der Wirtschaft mit angrenzender Rossweide, auf einer Anhöhe exakt 648 Meter über Meer, mit unglaublicher Aussicht übers Mittelland, das den Alpen vorgelagerte Karstgebirge, die vom neulich gefallenen Schnee in der Sonne weiss glitzernde, den Horizont bildende Kette der Schweizer Berge – Stolz der Nation – so es wie heute keinen Nebel habe, bringt uns der Wirt den Startkaffee.
Auf der Passhöhe des Balmberges beginnt unser Aufstieg auf die Röti. Wir nehmen die Direttissima, zuerst entlang des einstigen Skilifts, dann im Buchenwald begleitet vom Gezwitscher der Finken, treffen wir noch auf Restschnee. Bei dieser Passage kehren zwei Teilnehmer um – wir treffen sie dann auf dem Weissenstein wieder.
Mit etwas ausgebesserten Tritten im festen, aber nicht gefrorenen Schnee sind wir schnell oberhalb der Schlüsselstelle, nun wieder auf trockenem, der Sonne ausgesetztem Terrain.
Die Röti ist wohl eine der ganz vorne rangierenden Aussichtsstellen: vom Säntis bis zum Glärnisch etwas diesige Sicht, dann Glarner und Innerschweizer Alpen; rechts vom Titlis, der für den Betrachter analog eines Leitfossils Orientierung schafft, strahlen Sustenhorn und Trift in gleissendem Sonnenlicht; dann ennet der Grimselstrsasse, den Gelmerhörner gegenüber das markante Ritzlihorn, unter Bergsteigern unbeliebt weil brüchig, – mögen mir die LeserInnen meine Überschwänglichkeit verzeihen, aber ich muss den Gipfeln die Ehre erweisen – Hangendgletscherhorn, Wetterhorn mit den beiden weniger dominaten Mittelhorn und Rosenhorn, Lauteraar- und Schreckhörner Zwillinge gleich, die Fiescherhörner dem Berner Matterhorn etwas Luft verschaffend: mit ca. 180 Meter geringere Höhe als sein Vorbild ist das Finsteraarhorn mit seiner Nordostflanke hinunter zum Studerhorn eine Traumerscheinung; das ständig genannte Dreigestirn, genügend bekannt, darf ungenannt bleiben, aus dem hinteren Lauterbrunnental weniger bekannte Berge mit einst sagenhaften Eistouren (Ebnefluh, Mittaghorn und Grosshorn) aufschiessend, das zusammenhängende Massiv östlich beginnend mit dem Gspaltenhorn, Blümlisalp-Kette bis zum Doldenhorn, dahinter halb versteckt das Balmhorn mit der heute eisfreien Nordwestwand des Altels, Robert erkennt die Plaine Morte eingebettet zwischen Wildstrubel und Wildhorn. Nun, infolge des Sonnenstandes und der Distanz dürfte die Treffsicherheit der Namensgebung einer Wahrscheinlichkeitsbetrachtung weichen: Die Diablerets erkennt man noch, aber was sind das für Spitzen rechts des Mont Blanc? Keiner traut sich, Namen wie Jorasses oder Dent du Géant in den Mund zu nehmen – Dunst erlaubt keine klare Ortung. Aber der Eisriese führt dann zu einer Story, die uns Marc zum Besten gibt. Hat ausser unterhaltendem Wert nichts mit dem heutigen Geniessen zu tun. Marc, auch Du gehörst zu den Auserwählten, die den Schutzengel in der Jackentasche haben!
Noch stehen wir auf der Röti, viele Momente der Erinnerung an verflossene Glücksmomente, an Strapazen, an gefährliche Hindernisse wie das Durchwaten plötzlich anschwellenden Wassers, stiebenden Pulverschnee, an Klettereien in schönstem Fels: Wir dürfen jede und jeder für sich unsere eigenen Geschichten stumm Revue passieren lassen.
Und nun führt uns der Wanderweg zum Kurhaus Weissenstein und hinunter zum Sennhaus. Wir werden bestens verpflegt – wohl der Hit ist die goldprämierte Bratwurst – einmal im Jahr werden die Schwingerkönige hinter der Gaststätte goldprämiert: Hat die Verwertung der Siegestrophäe des zweifachen Weissensteinsiegers Armon Orlik zu Gedankengängen angeregt?
Die Wanderung verläuft jetzt nördlich der Röti den Schofgraben hinunter, wieder zum Skilift und bald zu unseren Fahrzeugen.
Als Dessert wollen wir nun die Wisente aufsuchen. Oberhalb Welschenrohr ist ein 100 Hektar grosses Gehege für mittlerweile elf Tiere eingezäunt. Hier läuft ein vom Bund unterstützter Auswilderungsversuch. Besucher sind willkommen, richtiges Verhalten ist Bedingung. In geschlossener Gruppe, schweigend durchwandern wir das Terrain, immer rechts und links Wald und Weide absuchend. Schliesslich, in der letzten der Weiden, finden wir die Tiere friedlich grasend. Wir installieren uns etwa 100 Meter oberhalb der Tiere und dürfen die Bisons geniessen (Wisente sind europäische Bisons; amerikanische Bisons gelten bedingt durch Körperbau und Habitat als eigene Art). Ein Bulle, drei Männchen und sieben Kühe, der Nachwuchs aus zwei Jahrgängen. Heben gelegentlich den Kopf, um die Hombergler zu würdigen, die «Drehbewegung» des Unterkiefers nie aufgebend: viel Frischgras will zermalmt werden!
Ich danke allen Kolleginnen und Kollegen für das Mitmachen und für das kameradschaftliche sich Einbringen.
Bruno Knobel, Tourenleiter










