Hochtour Sustenhorn

21. – 23. Juli 2026

Tourenleitung: Röbi Knobel

Teilnehmende Sustenhorn: Béa Villiger, Carla Schwinnen, Beat Huber, Christian Eichenberger, Heiner Lindemann, Markus Eichenberger, Urs Apt, Urs Eppenberger

Teilnehmende Chelenalphütte: Romy Erb Knobel, Magda Huber, Roland Sommerhalder

12 Senioren des SAC Homberg treffen sich am 21. Juli in Göschenen beim Bahnhof. Schwere Rucksäcke gefüllt mit warmer Kleidung, Steigeisen, Anseilmaterial und Verpflegung für drei Tage stapeln sich am Strassenrand während der Bus zur Staumauer in der Göscheneralp einfährt. Während eine ganze Touristentruppe den Bus bereits zu überfüllen droht schultern wir unsere Ausrüstung. Am Schluss haben alle Platz und wir erreichen das Restaurant Dammastock noch vor Mittag für eine Stärkung. Viele wählen die Linsensuppe mit Lauch wohl in der Hoffnung auf einen zusätzlichen Vortrieb im Aufstieg zur Chelenalphütte.

Der Weg führt zuerst hoch über den Göscherneralpsee in Richtung Bergseehütte. Bei unserer ersten Rast am oberen Ende des Sees überraschen uns Max und Sam, die ihre geplante Seniorentour rekognoszieren. Während die beiden zurück zur Staumauer wandern, gehen wir weiter stetig aufwärts der Chelenreuss entlang. Eine zweite Rast genehmigt uns Röbi vor dem schier senkrechten Aufstieg für die letzten knapp 400 Höhenmeter zur Chelenalphütte. Wolken schirmen uns vor der grössten Hitze, trotzdem fliessen die Schweisstropfen reichlich. Oben angekommen gibt es eine kurze Rast. Dann werden vor der Hütte drei Dreier-Seilschaften formiert und das korrekte Anseilen mit Seilverkürzung geübt. Wer mitgezählt hat, der realisiert, dass drei von uns am nächsten Tag nicht zum Sustenhorn aufsteigen, sondern wieder Richtung Göschenen zurück wandern. Ein vegetarisches Nachtessen mit Kichererbsen verfeinern wir mit einem fruchtigem Weissen vom Weingut Klosterhof.

Röbis Wecker erlöst die einen von einer unruhigen Nacht und reisst die anderen aus dem spät noch gefundenen Schlaf. Das Frühstück verläuft in der üblicher Stille, wo jeder seinen Gedanken und Vorahnungen anhängt.

Ein wolkenloser Himmel verspricht perfekte Wetterverhältnisse. Also geht es los. Von der Hütte steigen wir rund 700 Höhenmeter auf bis wir die Morgensonne und den Rand des Brunnenfirns erreichen. Mit montierten Steigeisen geht es dann in knirschenden Schritten hinauf zur Sustenlimi. Auch dort hat sich der Firn über die Jahre zurückgezogen, weshalb wir eine kleine Felsstufe auf den Frontzacken überwinden müssen. Oben angekommen überblicken wir die Gletscherebene auf rund 3100m. Westseitig steht das Gwächtenhorn mit seinem runden Gipfel, Nordostseitig erhebt sich unser Tourenziel, das Sustenhorn mit 3502m Höhe. Eine klare Spur vom Vortag zieht sich hoch fast bis zum Gipfel. Der Fall ist klar und wir machen uns auf. Eine schmale Firnbrücke führt über den Schrund, runterschauen ist optional. Die Flanke wird steiler, die Schritte kürzer, das Knirschen lauter, der Atem gepresster. Wir kommen stetig vorwärts. Kurz unter dem Gipfel können wir uns losseilen und die restlichen Meter über Schutt bis zum Gipfelkreuz aufsteigen. Uns erwartet nach der Höchstleistung eine kolossale Rundsicht. Die Freude über das erreichte Ziel und Dankbarkeit dem umsichtigen Tourenleiter Röbi mischen sich zu einem Stimmungshoch, das nur Alpinisten wirklich nachvollziehen können. Gemeinsam einigen wir uns auf die Namen der Gipfel um uns herum und teilen Tourenerlebnisse. Eine windgeschützte Mulde etwas unterhalb des Gipfels erlaubt eine ausgiebige Rast. Dann wird wieder angeseilt, die Ausrüstung geprüft. Wir steigen in umgekehrter Reihenfolge über das Firnfeld ab. Sorgfältig pressen wir die Zacken in das Eis für einen sicheren Halt, Schritt für Schritt. Es geht besser als geahnt, gekonnt ist eben gekonnt. Trotzdem ist die Erleichterung unten auf dem Gletscherplateau auf 3100m bei allen spürbar. Der Schnee hat eine Oberflächenstruktur wie ein riesiger Golfball, was zu einer mühsame Stolperei führt für unsere bereits müden Beine. Über zwei Stufen geht es dann hinunter, immer wieder Spalten querend, mal links oder rechts ausweichend. Auf rund 2800m queren wir durch Gletschersumpf und Bäche hinüber zur Tierberglihütte. Auch hier ist der Gletscherschwund wieder deutlich sichtbar, denn wir haben noch einen letzten Gegenanstieg von rund 50m zu überwinden, der vor 30 Jahren noch nicht da war. Nach achteinhalb Stunden harter Arbeit erreichen wir die Terrasse der Hütte, feiern den Gipfel, gratulieren uns gegenseitig und danken unserem Tourenleiter, derweil die nassen Kleider und Seile in der Sonne trocknen. Das vegetarische Nachtessen mit Tomatenrisotto ergänzen wir diesmal mit einem Weisswein aus Thun.

Die zweite Nacht ist länger und die meisten stehen bereits vor dem Wecker auf. Um 7 Uhr ist Frühstück für solche wie uns ohne weiteres Gipfelziel.

Draussen vor der Hütte erwartet uns eine kühler Westwind und ein steiler Hüttenweg der Schwierigkeit T4. Die Sonne wärmt den griffigen Fels, während wir sicher abwärts kraxeln. Schon bald hören wir das typische Geräusch dieser Gegend: Das Knattern der Motorräder, die nach dem Steingletscherrank wieder voll Richtung Passhöhe beschleunigen. In Umpol angekommen merkt man uns die 800 Höhenmeter Abstieg kaum an. So ist schnell beschlossen, dem Plan von Röbi zu folgen und nicht direkt zum Steingletscher abzusteigen, sondern noch die Seenplatte Hublen zu besuchen. Nach einem kurzen Gegenanstieg finden wir eine Wiese für unsere Mittagsrast. Wir schauen nochmals hoch zu den Gletschern und zur Tierberglihütte hinauf. Bereits werden wieder Pläne geschmiedet, ob man nicht doch noch mal mit den Ski hinauf könnte. Das Sustenhorn lässt seine Besteiger eben nicht mehr los.

Röbi Knobel hat diese Tour sorgfältig vorbereitet. Für Teilnehmende aus der halben Schweiz hat er eine perfekte Logistik geplant, wie wir eine Gipfelbesteigung im Urnerland starten und im Berner Oberland beenden können. Unterwegs findet er das richtige Tempo für die Gruppe und legt die Pausen so, dass wir uns immer wieder stärken können und trotzdem zügig vorwärts kommen. Mit Röbi haben wir einen umsichtigen Tourenleiter mit Erfahrung, Können und einem Gespür für den Berg und seine Kameraden in unserer Sektion. Herzlichen Dank.

Tourenbericht: Urs Eppenberger

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.